Regina in Spanien

Mein Jahr in Burgos

Sommer, Sonne, Strand. Das ist es, was man sich unter Spanien vorstellt. Tja, dafür habe ich wohl die falsche Stadt ausgewählt. Denn Burgos ist nicht nur eine der höchsten Städte Spaniens, sondern gemeinsam mit eisigkaltem Wind auch eine der kältesten. Angekommen im Sommer, merkte ich unter brütender Hitze noch nicht allzu viel davon, aber der Winter dauerte dennoch länger als gedacht. Kurz nach meiner Ankunft machte mir jedoch etwas anderes zu schaffen. Da ich davor schon einmal ein Erasmus-Semester in Spanien (Granada) verbrachte, habe ich Burgos unbewusst immer mit Granada verglichen. Spätestens beim On-Arrival-Training in Toledo musste ich jedoch feststellen, dass man weder die beiden Städte noch die beiden Erfahrungen miteinander vergleichen konnte. Ab diesem Zeitpunkt ließ ich zu, neue Erfahrungen zu machen und verwandelte somit dieses Jahr in eines der besten Jahre meines Lebens. Besonders Spaß machte es, bei den beiden geplanten EFD-Trainings viele neue Leute aus ganz Europa und der Welt und deren Projekte innerhalb Spaniens kennengelernt zu haben.

Auch in Burgos selbst lernte ich sehr unterschiedliche Menschen und Kulturen kennen, vorrangig aus Spanien, sodass schließlich mein kleiner, feiner Freundeskreis ein bunter Mix aus Spaniern, Italienern und Venezolanern war, mit denen ich immer wieder Koch-Abende veranstaltet und gefeiert habe, aber auch viele Reisen unternommen habe.

Gemeinsam mit meinen drei italienischen Mitbewohnerinnen (ich habe jeweils aber immer nur mit 2 gleichzeitig gewohnt und gearbeitet) habe ich bei Fundación Candeal Proyecto Hombre Burgos gearbeitet, einer NGO zur Prävention, Behandlung und Rehabilitation von Personen mit Suchterkrankungen und deren Angehörigen. Unsere Hauptaufgabe als europäische Freiwillige bestand in der Begleitung unserer Klienten zu Ausgängen außerhalb des stationären Zentrums, etwa für Erledigungen oder Arztbesuche. Anfangs dachte ich, dass ich als Freiwillige eine sehr undankbare und unnötige Aufgabe hätte. Ziemlich bald musste ich jedoch feststellen, dass sowohl die Klienten, als auch die Therapeuten froh über meine Anwesenheit und Unterstützung und die der anderen Freiwilligen waren. Vor allem ein „drogenfreies“ Rollenbild zu übermitteln, war eine unserer unbewussten Aufgaben, derer ich mir zu Beginn gar nicht so bewusst war. Aber auch eine Gesprächsmöglichkeit zu bieten außerhalb des therapeutischen Settings schätzten sehr viele unserer Klienten.

Was ich aus diesem Jahr besonders mitnehme? Viele Dinge. Und das bezieht sich nicht nur auf einen vollgepackten Koffer. Mein Umgang mit Geduld, mit Nervosität und mit Spontanität, meine Durchsetzungsfähigkeit, das Genießen können von Auszeiten (dabei ist die spanische Siesta sehr hilfreich), lernen von Nähe und Distanz im professionellen Bereich, etc. Ich könnte noch viel mehr aufzählen, aber das würde wohl dann zu lang werden.

Rückblickend auf diese 12 Monate in Burgos muss ich feststellen, dass das Jahr nicht besser verlaufen hätte können und dass ich viel über mich selbst und auch für meine berufliche Zukunft lernen konnte. Ich möchte diese Erfahrung auf keinen Fall missen und hoffe, mehr Leute zu einem EFD animieren zu können.

 

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