Lena in Estland

Estland, ein mir völlig unbekanntes Land… 10 Monate… Eine unglaublich lange Zeit…  Ganz auf mich alleine gestellt – diese Gedanken und noch so viele mehr rasten mir durch den Kopf als ich Anfang September in das kleine Flugzeug der LOT Polish Airlines stieg – next stop Tallinn. Heute, wieder zurück in Wien muss ich schmunzeln, wenn ich daran zurückdenke wie nervös ich an jenem Tag war als ich in Tallinn aus dem Flugzeug stieg und mich nach anderen, genauso verloren aussehenden jungen Menschen mit großen Koffern, umsah. Diese zehn Monate sind wohl die am schnellsten vergangenen, ereignisreichsten und spannendsten in meinem bisherigen Leben und ich würde sie um nichts auf dieser Welt wieder hergeben.

In den ersten Tagen und Wochen in Estland war ich zuerst etwas eingeschüchtert von meiner neuen Umgebung. Die Sprache bereitete mir Sorgen denn, wenn man sie zum ersten Mal hört, klingt sie unglaublich kompliziert und wie aus einer anderen Welt. Ich fragte mich wie ich jemals mit den Kindern in meinem Kindergarten kommunizieren sollte, da sie mir jeden Tag so viel erzählen wollten und ich nur stumm lächelte und nickte. Doch ich muss sagen, mit der Zeit wurde es besser. Wenn man sich nicht davon abschrecken lässt, dass es im estnischen 14 Fälle gibt, sondern einfach versucht so gut es geht kurze, halbwegs richtige Sätze zu bilden, ist allein die freudige Reaktion die man darauf erhält Belohnung genug. Gegen Ende meiner 10 Monate konnte ich sogar Gespräche, wenn auch recht einfache und kurze, führen. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, wer kann schon von sich behaupten estnisch zu sprechen?

Der zweite große Unterschied zwischen Estland und Österreich ist wohl das Wetter. Ich hätte nicht gedacht, dass das Klima ein Problem für mich werden könnte, denn schließlich sind die Winter in Österreich auch nicht gerade die wärmsten. Den ersten Schnee hatten wir bereits im Oktober, doch relativ bald war wieder alles geschmolzen, dann kam die Dunkelheit. Niemals hätte ich auch nur im Entferntesten daran gedacht was es für einen Unterschied macht nur zwischen halb 11 Uhr vormittags und 3 Uhr nachmittags Tageslicht zu haben. Nach der Dunkelheit wurde es kalt, so richtig kalt, so wie ich es nur aus den Geschichten meiner Großeltern kannte. Drei Monate lang schneite es unermüdlich und an manchen Tagen schien es so als würde es nie wieder damit aufhören wollen. Mitte April schmolz nun doch noch der letzte Schnee und damit war ich der Meinung, dass es das nun war mit den Wetter-Überraschungen – doch falsch gedacht! Da Estland so weit oben im Norden liegt gibt es dort, genauso wie in beispielsweise Finnland, die sogenannten „weißen Nächte“, sprich es wird kaum noch dunkel. Und so verbrachten ich und meine neuen Freunde, aus allen Teilen Europas und der Welt, Stunden am Strand um gemeinsam die untergehende Sonne zu betrachten.

Und nun bleibt mir nichts mehr über als mich bei allen, die dieses Jahr mit mir verbracht haben und ein Teil meines Lebens wurden, zu bedanken. Suur Aitäh!

 

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