Katharina in Armenien (Bericht)

Beim ersten Blick aus dem Flugzeug habe ich mich in Armenien verliebt. Es war circa 4 Uhr am Morgen
einer Vollmondnacht, die Landung hatte grade begonnen, ich blickte aus dem Fenster und sah den mächtigen
Berg Ararat komplett vom Mondschein weiß scheinen.
Am Ausgang des Flughafens wartete der Fahrer der Hosting Organization auf mich, er sprach kein Wort
Englisch und ich kein Russisch oder Armenisch.
Als wir durch die Straßen fuhren, fühlte ich mich wie ein kleines Kind, die Schrift war komplett anders. Ich
konnte nichts lesen. So sollte es die nächsten Wochen auch bleiben.
Mein Projekt hieß Helping Hand und befand sich im Child Support Centre in der Hauptstadt Armeniens,
Yerevan. Hier werden Kinder aus einem familiär schwierigem Umfeld im Alter von 3 bis 17 Jahre
aufgenommen, sie dürfen bis zu 6 Monate da bleiben, während durch Hilfe von Sozialarbeitern versucht wird
die Lage zu verbessern. Wenn es nichts bringt werden sie in andere Institutionen geschickt (SoS
Kinderdörfer, Weisen Häuser).
Die Arbeit hat mich und die anderen Freiwilligen sehr herausgefordert, die Erzieherinnen hatten teilweise
eine altmodische Art mit den problematischen Kindern umzugehen. Kritiken wurden nicht gerne
angenommen und die Kommunikation war generell wegen der Sprachbarriere sehr schwer.
Trotz dieser Schwierigkeiten habe ich die Kinder geliebt, oft machten mich ihre Geschichten traurig. Ich
habe sehr viel gelernt und zum ersten Mal ist mir klar geworden, dass ich mich in dieser Richtung
weiterbilden möchte.
Die Arbeit war aber nicht meine Hauptbeschäftigung, ich lebte in einem Studentenheim in dem hauptsächlich
Freiwillige lebten. Fast jedes Wochenende unternahmen wir was.
Das Trampen ist in Armenien unglaublich leicht, viele Menschen fahren extra einen Umweg um dich heil
und gesund zu deinem Ziel zu Bringen. Hungrig steigt man auch nicht aus dem Auto aus. Ständig wird man
„gezwungen“ zu essen und zu trinken.
So habe ich es geschafft Armenien kennenzulernen. Mein Armenisch wurde durch die Kommunikation mit
den Fahrern und Kindern etwas besser, ich sah wunderschöne Orte, Klöster und lernte viel über die
Geschichte und der aktuellen Situation des Landes.
Armenien ist ein sehr Männerdominiertes Land, von Frauen wird erwartet sich nach einer sozialen Norm zu
benehmen. Rauchen, laut niesen, Fußball spielen und vieles mehr wird von konservativen Menschen nicht
gut gesehen. Man gewöhnt sich nach einer Zeit daran angestarrt zu werden.
Das starren ist nicht unbedingt was schlimmes, die Menschen wollen wissen woher du kommst, wieso du in
Armenien bist oder wieso du noch keine Kinder hast. Es interessiert sich jeder für jeden. Armenier reden
miteinander als hätten sie sich ein leben lang gekannt, sie laden jeden ein um am BBQ teilzunehmen und
lieben es zu essen, zu tanzen und zu trinken.
Die Zeit läuft in diesem Land anders, erst wird immer Surch (Armenische Kaffee) getrunken, dann kann man
über die Arbeit reden und eventuell danach arbeiten.
Wenn man sich mit jemandem trifft, wird es empfohlen ein Buch oder irgend eine Beschäftigung
mitzunehmen, weil niemand pünktlich ankommt.
Das zurückkommen war schwieriger als das ankommen, wie gesagt vergeht die Zeit hier schneller, schnell
wird man Teil dieser Hektik und vergisst wie es war.
Ich habe viel aus dieser Erfahrung mitgenommen und gelernt, ich würde es jedem weiter empfehlen.

 

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