Beate in Russland

Mein Name ist Beate und im Moment befinde ich mich in der letzten Woche meines Freiwilligendienstes in Pavlovsk. Mit diesem Bericht möchte ich vor allem die Chance nutzen mein Jahr für mich persönlich zu reflektieren und anderen einen Einblick in mein Leben als Freiwillige zu geben.

Das Projekt

Pavlovsk ist ein kleiner, gemütlicher Vorort von St. Petersburg in dem sich das staatliche Kinderheim Nummer 4 angesiedelt hat. Im Heim leben zirka 70 Kinder auf zwei Etagen verteilt. Dabei gibt es immer Gruppen mit 5 bis 6 Kindern die einen ähnlichen Grad von Behinderung haben (starke und schwache Gruppen). Als Freiwilliger wird man einer dieser Gruppen zugeteilt und arbeitet im Optimalfall Hand in Hand mit dem dort betreuenden Personal zusammen. In jeder Gruppe gibt es nämlich eine Erzieherin und Pflegepersonal, sowie pro Station eine Krankenschwester. Der Verein, über den ich als Freiwillige tätig bin nennt sich Perspektivy und die Intention ist es den Kinder ein schönes Leben neben dem grauen Alltag zu bieten. Dabei versucht man vor allem Unterstützung zu leisten und den Kindern Förderung und Unterhaltung zu garantieren. Die Hauptaufgabe als Freiwilliger bezieht sich darauf, ein Freund für die Kinder zu sein und ihnen Aufmerksamkeit in Form von Liebe und Freundschaft zu schenken.

 Schützlinge

Im Laufe der Zeit lernt man zwar immer mehr Kinder kennen doch im Prinzip ist man für bis zu 5 Kinder verantwortlich, die man ein Jahr lang durch ihr Leben begleitet. Der Haupttätigkeitsbereich besteht vor allem aus Spielen, Spazieren gehen und Ausprobieren von neuen Dingen, um herauszufinden wie die Kinder reagieren und um vielleicht neue Interessen in ihnen zu wecken. Die Hygiene der Kinder ist größtenteils dem Pflegepersonal überlassen. Zähne putzen und die Mithilfe beim Baden sind allerdings wieder meine Aufgabe.
Ich habe mein Jahr mit der Gruppe Nummer 46 verbracht in der Ilija, Sascha, Katja, Lolik und Mark leben. Das Alter der Kinder reicht von 4 bis 18 und ist somit ziemlich durchmischt, doch das macht die Arbeit auch abwechslungsreicher und spannender. Die meisten der Kinder in unserem Heim sind sowohl körperlich, als auch geistig schwerbehindert und brauchen deswegen besondere Aufmerksamkeit. Doch auch wenn man es ihnen nicht immer ansieht, kann man durchaus spüren, dass sie merken wenn sich jemand um sie kümmert und sind auch dankbar dafür.

 Mitarbeiter

Prinzipiell teilt sich das Personal in Pavlovsk in staatliches Personal und Angestellte von Perspektivy. Unter staatliches Personal fallen Erzieherinnen die in jeder Gruppe tätig sind, sowie Pflegerinnen und Krankenschwestern. Perspektivy stellt Pädagogen und Koordinatoren die mit der Organisation im Heim und allen voran den Kindern vertraut sind. Sie sind auch Ansprechpartner für jegliche Fragen bezüglich der Arbeit und sie organisieren auch Seminare und Workshops, wenn man sich in gewisse Themen (wie zum Beispiel basale Stimulation) genauer einarbeiten möchte. Perspektivy organisiert auch immer wieder Ausflüge für die Kinder die ihnen die Chance geben dem Alltag zu entkommen und etwas Besonderes zu erleben.
Im Großen und Ganzen sind die Leute mit denen man im Heim zusammenarbeitet alles herzliche und offene Menschen die teilweise mit einer enormen Leidenschaft hinter ihrer Arbeit stehen. Ich konnte sogar Freundschaften schließen, die über die Arbeit hinausgehen.

 Was habe ich gelernt?

Als ich mich dazu entschlossen habe meinen Freiwilligendienst für Perspektivy zu absolvieren, hatte ich keine Angst davor mit behinderten Menschen zu arbeiten, sondern viel mehr Respekt. Ich war noch nie vorher wirklich im Kontakt mit Behinderten, aber genau das hat mich motiviert. Für mich war es wichtig, dass mir mein Auslandsaufenthalt eine Challenge bietet und mich an neue Grenzen bringt. Genau deswegen habe zumindest ich mich für diese Arbeit entschieden. Doch jetzt fast 1 Jahr  später kann ich sagen, dass es die wahrscheinlich beste Entscheidung war, die ich bis jetzt in meinem Leben getroffen habe. Ich merke, dass ich mich als Person unglaublich weiterentwickeln konnte und mich selbst gefunden habe. Ich weiß jetzt was ich in meinem Leben erreichen möchte, was mir wirklich wichtig ist und wie glücklich ich sein kann diese Chance wahrgenommen zu haben. Ich habe gelernt was Werte wie Verantwortung, Liebe, Fürsorge und Freundschaft wirklich für mich bedeuten. Außerdem konnte ich mir die Eigenschaft aneignen mich an jede Situation anzupassen und spontan darauf zu reagieren.

Was ich noch sagen möchte

Meine erste Begegnung mit meinen Schützlingen in Pavlovsk war überwältigend. Ich war unfähig all die Eindrücke die auf mich niederprasselten zu verarbeiten und war umso dankbarer, dass meine Pädagogin mich an der Hand nahm und mich Schritt für Schritt auf meine Arbeit vorbereitete. Schon nach einem Monat in der Arbeit konnte ich merken wie ich mich von Tag zu Tag sicherer fühlte und wie meine Liebe zu all den Kindern im Heim ständig wuchs. Jedes dieser Kinder ist ein wunderbares Unikat und somit unersetzbar.
Die Arbeit, vor allem in Verbindung mit den langen Fahrtzeiten, kann allerdings manchmal sehr fordernd sein und manchmal frag man sich warum man sich das alles eigentlich antut. Aber auch wenn nicht alle Tage rosig sind, reicht das Lächeln von auch nur einem Kind aus, um all die Zweifel wegzufegen.
Die Arbeit mit den Kindern kann außerdem manchmal eintönig werden, da viele nicht wirklich in der Lage sind sich weiterzuentwickeln. Daher ist es besonders wichtig einen Ausgleich zu haben wie zum Beispiel in Form von Sport (ich habe begonnen sehr viel Yoga zu machen), Ausflügen oder einfach nur regelmäßiges entspannen und lesen im Park oder Café.

 

#Thankful

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